Jürgen Schwab: Die Ohnmacht der Internetnazis

Jürgen Schwab: Die Ohnmacht der Internetnazis

Die Antifa hat nun endlich wieder eine Bestätigung dafür erhalten, daß sie ihre Daseinsberechtigung hat. In den Kommentarspalten von Altermedia wird Tag für Tag Material geliefert, damit die Antifa nicht arbeitslos wird. Vor allem vor dem EM-Halbfinalspiel gegen die Türkei gibt es in den Kommentarspalten Schreckliches zu lesen.

Siehe: Altermedia

Da Antifaschisten Gutmenschen sind, die sich in der Rolle des „Widerstands“ gefallen, wobei der „Widerstand“ gesellschaftlich offene Türen vorfindet, wird der faschistische Feind zur großen Bedrohung hochgeredet. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um in gesellschaftlicher Hinsicht so kleine Würstchen, wie es die Antifas selbst sind.

In „Junge Welt“ (vom 24.06.2008, S. 5) berichtet Carsten Hübner aus rechten Weltnetzforen. Die Belegstellen, die er anführt, sind nicht gefälscht, sie spiegeln den Dumpfsinn von Internetnazis wider. Ein Diskutant meint, daß es „ideal“ wäre, wenn es nach dem Fußballspiel zwischen Deutschland und Türkei „viele Tote“ gibt. „Dann würde sich endlich die Erkenntnis durchsetzen, daß es höchste Zeit ist, das ganze anatolische und kurdische Pack zurückzuführen“, findet ein anderer, der sich selbst treffend „Widerling“ nennt. So wird die politische Forderung nach Ausländerrückführung, wie sie beispielsweise die NPD fordert, in einen kriminellen Zusammenhang gestellt.

Aus Sicht der herrschenden Klasse ist es wichtig, daß nicht sie selbst durch ihre Einwanderungspolitik letztendlich den Rassenkrieg ausgelöst hat, sondern daß die Deutschen, die es noch bleiben wollen, am Rassenkrieg schuld sind. „Laßt den Rassenkrieg beginnen“, schreibt deshalb ein weiterer „User“ auf Altermedia. „Ich hab’ ein griffiges Handbeil dabei. Das erste Tier, das mich anfällt, wird wohl übel ausschau’n“, wird auf Altermedia gedroht. So schaukelt sich die Pogromstimmung hoch. Die Antifa weiß nun, daß sie weiterhin gebraucht wird. Diese Deutschen werden sich weiterhin ihrer Rolle bewußt sein, die Ausländer vor dem deutschen Mob schützen zu müssen. Letztendlich wird die Antifa mit ihrem Antirassismus in den Reihen aller Antirassisten stehen, zu denen hierzulande auch der DFB mit seinen Antirassismus-Kampagnen gehört. Daß der DFB von der Ausländerbeschäftigungslobby (Daimler AG usw.) finanziert wird, hatte ich schon in meiner letzten Kolumne erwähnt.

Es wäre nun zu einfach, in solchen Äußerungen von Internetnazis, wie sie von „Junge Welt“ zitiert werden, nur Auftragsarbeit des VS und anderer Geheimdienste zu sehen. Sicherlich, die charakterlichen Profile, die hinter solchen geschmacklosen Ausfällen stehen, werden überproportional für die Anwerbung durch VS usw. anfällig sein. Es sind Profilneurotiker, die mangels Begabung über unteren Durchschnitt nie hinausgekommen sind. Sie wurden schon zu Schulzeiten von ihren Mitschülern gehänselt und verprügelt. Um auf sich aufmerksam zu machen, schließen sie sich dann später einer NS-Kleinstgruppierung an, in der sie dann als Schulungsleiter große Reden schwingen. Im Weltnetz werden sogar „griffige Handbeile“ geschwungen. In den meisten Fällen, dies sollte die Antifa bedenken, steckt dahinter – außer der Dummheit – nichts. Ein echter nationaler Straßenkämpfer wie Christian Worch äußert sich auf Altermedia zu solchen Themen viel nüchterner. Bei ihm findet der Kampf um die Straße nicht nur virtuell statt. Er hat sich als Versammlungsleiter an Gesetze und Auflagen zu halten.

Hingegen kommt bei den virtuellen Kraftmeiern unter den Internetnazis nur das verbal und anonym zum Ausdruck, was man gerne sein möchte, aber nicht ist. Wahrscheinlich würde man sich hinter dem ersten Busch verstecken, wenn der erste Türken-Trupp naht. Auch die Pseudorassentheorien, die nichts mit Wissenschaft, sondern nur etwas mit eigener Überheblichkeit zu tun haben, entsprechen der Wirklichkeit nicht. Schmähungen fremder ethnischer Gruppen sind nur ein Ausdruck der eigenen Ohmacht und Hilfslosigkeit. Das „Kanakengesindel“ wird jedenfalls nicht, wie ein Diskutant auf Altermedia schreibt, durch ihn selbst nach Hause geschickt werden. Auch der Umstand, daß sich ein Schulungsleiter vor den Seminarteilnehmern selbst als „Angehöriger des arischen Adels“ bezeichnet, zeugt nur von Minderwertigkeit. Elite zeichnet sich nämlich dadurch aus, daß sie zumindest von Teilen des Publikums, vor allem auch vom Gegner als Elite anerkannt wird.

Wer sich ausschließlich selbst als „Elite“ bezeichnet, hat diesen Anspruch schon verloren. Er hat ihn noch nie besessen. In diesem Falle fehlt es zumeist an geistiger Rasse, die sich nicht nur auf biologische Aspekte stützt. Zumal der Eindruck entsteht, daß dort, wo über die Überlegenheit der eigenen Rasse schwadroniert wird, der Abstieg bereits vollzogen ist. Hierzu führte Ernst Niekisch aus: „Blut ist ein Elementares, es ist eine Tatsache, kein Prinzip. Wo man es zum Prinzip ‚erhebt‛, darf man sicher sein, daß der Wille zum Absinken seine Hand im Spiele hat. Das Blut wird zum ‚Prinzip‘ erklärt, wenn man sich nicht offen eingestehen will, daß man vor seinen Blutinstinkten kapituliert hat. Das Auge hat sich der Tiefe, dem Chaotischen zugewandt und blickt nicht mehr ins Hohe und Freie; aus diesem Grunde hat es keine Horizonte mehr und entdeckt überall, wohin es trifft, das chaotische Element des Blutes. Blut wird so zum Alleinschlüssel für alle Geheimnisse, zur Alleinursache für alle Wirkungen. Wie sehr auch Kultur und Zivilisation im Blute wurzeln, so macht es doch eben ihr Wesen aus, über diesen Urgrund emporzuwachsen, von ihm fort, in den Äther hinaufzustreben.“( Ernst Niekisch: Das Reich der niederen Dämonen, 1. Auflage, Rowohlt Verlag, Hamburg 1953, S. 126)

Das Elementare, die eigene Rasse, das eigene Geschlecht usw., wird zum letzten Strohhalm, an den sich der Modernisierungsverlierer klammert. Oskar Lafontaine meinte hierzu: „In der Bundesrepublik ist das distanzierte, bisweilen sogar aggressive Verhalten gegenüber Ausländern noch auf einen anderen tiefenpsychologischen Mechanismus zurückzuführen. Es gibt Menschen, deren individuelle Biographie sie in nichts über andere Menschen hinaushebt. Für sie ist ihr Deutschtum ihr letzter sicherer Besitzstand, den ihnen niemand zu nehmen vermag – ähnlich jenen Männern, denen die schlichte Tatsache ihres Mannseins genügt, weil sie sonst nichts vorzeigen können, was gesellschaftliche Anerkennung findet. Solche Verhaltensweisen tragen Züge eines nationalen oder sonstigen Chauvinismus in einer sonst mehr oder minder aufgeklärten Kultur.“ (Oskar Lafontaine: Deutsche Wahrheiten. Die nationale und soziale Frage, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg 1990, S. 157.)

Vielleicht hätte Lafontaine noch erwähnen sollen, daß er selbst dieses Spektrum an deutschen Männern gezielt anspricht, über das er sich hier lustig macht. Schließlich möchte er diese Wähler nicht der NPD überlassen, die aber sicherlich auch andere Wähler als die oben beschriebenen besitzt.

Autor: Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die „westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 18 Euro.

Siehe auch: Sache des Volkes

3 Kommentare für “Jürgen Schwab: Die Ohnmacht der Internetnazis”

  1. Dass bei faschistischer Feind das faschistisch garnicht mehr in Anführungszeichen verpackt wird, gibt der Antifaschistischen Aktion ja zumindest eine nominelle Daseinsberechtigung. Danke auch, der kampf geht weiter, leider auch mit gewalt, wo ihr die Weltmeister seid, und mit Verstand, eher unser Metier.

  2. Wir denken man sollte sich mit dem weltanschaulichen Hintergrund des Autors zumindest ansatzweise auch auseinandersetzen!

    Das Verstand das “Metier” der Antifa wäre, ist uns allerdings neu! Sonst wüsstet Ihr nämlich, dass die Anti-Position nicht ausreicht um wirklich politisch oder weltanschaulich zu wirken!….

  3. @Feind

    Du bist typisch deutsch, immerzu verbissen (”der Kampf geht weiter”) … Du hast die Ironie in meinen Zeilen nicht erkannt, die darin besteht, auf An- und Abführungszeichen zu verzichten.

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